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Wenn Träume in Erfüllung gehen



Es war letzten Herbst, als ich Barbara am Nationalen Wandertag der "Schweizer Familie" in Trub kennenlernte. Unterwegs erzählte sie mir von ihrem Traum, dass sie mal zur Baltschiederklause wandern möchte, der entlegensten SAC-Hütte der Schweiz, und fragte, ob ich denn das organisieren und leiten könne. Ich musste ehrlich gesagt zuerst schauen, wo genau die Hütte und wie der Weg dorthin ist. Aber nach kurzer Prüfung konnte ich ihr das zusagen, und so haben wir bereits im Januar das Datum für Juli 2023 fixiert. Was ich damals noch nicht wusste war, dass sie diesen Traum bereits seit 20 Jahren mit sich herum trägt. Und in diesem Jahr wollte er verwirklicht werden – im zarten Alter von 70.


Die Tour war also ausgeschrieben und aufgrund der ursprünglichen Natur, der Aussicht und der spannenden Suonen war das Interesse durchaus vorhanden. Aber die vielen Höhenmeter schreckten dann doch die meisten ab - und so trafen wir uns am 14. Juli zu dritt in Visp. Nebst Barbara war auch ihre Bekannte Valentina dabei, mit 65 übrigens auch nicht mehr ganz jung. Die beiden hatten sich auf einer Reise in Sibirien kennengelernt und sie sind für mich der Beweis, dass das Alter nichts weiter als eine Zahl ist. Ich war mir jedenfalls da schon sicher: das werden zwei schöne und interessante Wandertage mit den beiden.


Der Weg zur Hütte war definitiv lang. Nachdem es zu Beginn gemütlich taleinwärts geht, sind zusehends die vielen Höhenmeter zu bewältigen (insgesamt fast 1'700). Schritt für Schritt lautete die Devise. Durch alle Höhenstufen führt die Tour: zuerst entlang der Suone und noch mit viel Wald, später über Wiesen wird die Umgebung zusehends karger und wilder, bis man bei der Hütte schon nahe am Gletscher ist - der vor wahrscheinlich nicht allzu vielen Jahren noch viel weiter nach unten reichte als jetzt. Eine äusserst beeindruckende Kulisse.


Nach beinahe neun Stunden war es vollbracht: wir erreichten überglücklich die Baltschiederklause. Die Aussicht war wirklich einzigartig. Die Erleichterung und die Freude über das Geschaffte ist in dem Moment kaum in Worte zu fassen, aber den Blick und die herzliche Umarmung von Barbara werde ich wohl nie vergessen. Wie haben wir am Morgen in Visp noch zueinander gesagt: Wenn man etwas wirklich will, findet man Wege, und sonst findet man Gründe.


Die Hüttencrew rund um Jolanda Stettler hat uns mit ihren Kochkünsten sehr verwöhnt, so dass wir die leeren Energiespeicher gut wieder auffüllen konnten. Und als ob das noch nicht genug wäre haben auch noch zwei Steinböcke die Hütte am Abend besucht und diesem sonst schon einmaligen Erlebnis noch quasi das Sahnehäubchen aufgesetzt. In solchen Momenten spüre ich einfach nur tiefe Dankbarkeit.


Ausgeruht und gestärkt mit Frühstück ging es am zweiten Tag wieder talwärts. Es blieb beim Abwärtswandern etwas mehr Zeit, um die farbenprächtige Pflanzenwelt zu bestaunen und hin und wieder auch nochmals zur Hütte hochzuschauen auf das, was wir bzw. vor allem Barbara und Valentina da geschafft haben. Es war vollbracht, der Traum war Realität geworden.


Es war mir eine grosse Freude und Ehre, so einen persönlichen Wunsch erfüllen zu können. Vielleicht hast auch du so einen Traum? Erzähl mir davon, vielleicht kann ich dich bei der Umsetzung unterstützen.


"Ich weiss, dass nur Träume in Erfüllung gehen, wenn man selbst etwas dafür tut." (Morgan Freeman)



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